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Fit für die Prüfung

Lupe

Seit vielen Jahren kommen Studierende in die Psychologischen Beratung und berichten über ihre Erfahrungen mit Prüfungen. Wir helfen. Und wir lernen daraus. Der folgende Artikel kommt aus dieser Erfahrung und soll Ihnen helfen, mit dem Prüfungsstress vor und in der Prüfung besser umzugehen.

Das Semester geht zuende, und wieder ist es soweit: die Prüfungen häufen sich. Folge: die innere Anspannung nimmt zu. Es gibt Klausuren, in denen die Durchfallquote bei 50% oder darüber liegt, da ist das nicht verwunderlich. Aber auch sonst, Prüfungen machen Stress, und Stress erhöht die Anspannung.

Das Ausmaß ist entscheidend

Höhere Anspannung in der Prüfung - oder davor - ist prinzipiell nichts Schlechtes. Im Gegenteil: Eine gesteigerte Anspannung kann die Leistungsfähigkeit sogar steigern. Aber nur bis zu einem gewissen Grad! Darüber kippt die Situation immer mehr, und die Anspannung beeinträchtigt in gleichem Maße das Leistungsvermögen.

Schon in der Vorbereitung kann eine zu starke Anspannung erhebliche Probleme nach sich ziehen: Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden oder Schlafprobleme sind nicht selten, oder sie kann einfach allgemein anfälliger machen für Erkrankungen. Oft hat sie Konzentrationsstörungen, Angst- oder Panikanfälle schon beim Gedanken an die Prüfung im Gefolge. Darin zeigt sich: Lernen ist kein rein kognitiver Akt. Lernen und Emotionen hängen eng zusammen! (Das zeigen uns auch die Erkenntnisse der Neuropsychologie.) Wenn Sie sich dessen bewusst sind, können Sie das für sich nutzen.

Black-out und was man tun kann

Das Lernen des gesamten Prüfungsstoffes bedeutet schon Stress. Wenn Sie das Gefühl haben, in der Prüfung werde auch Ihre Intelligenz oder gar Ihr Wert als Person abgeprüft, dann ist die Situation schlicht überfrachtet. Dann kann irgendein Signal in der Prüfung, das unbewusst als Angstsignal erkannt wird, folgende Reaktion auslösen: Im limbischen System wird die Amygdala, das emotionale Gedächtnis, aktiviert. Stresshormone werden ausgeschüttet. Die Herzfrequenz und der Blutdruck steigen. Und der Körper wird auf Kampf oder Flucht eingestellt. Das kann bedeuten, dass wir auf etwas angstvoll reagieren, ohne überhaupt zu wissen warum.

„Ich war sehr aufgeregt, dann kam die erste Frage. Und plötzlich war alles Wissen wie weggeblasen....!“ Und danach: „Ich konnte diese Frage nicht beantworten, was soll der Professor jetzt von mir denken! Jetzt ist alles zu Ende, ich will raus hier.....“ Die Fragen des Prüfers dringen noch irgendwie ans Ohr, aber der Studierende ist mit sich und seinen Katastrophenphantasien beschäftigt. Das hat die fatale Folge, dass der Zugang zum Gelernten weiter blockiert bleibt und das Fluchtverhalten verstärkt wird.

Dabei gibt es Möglichkeiten, dieser Situation entgegenzusteuern: die Überreaktion der Amygdala kann durch kortikale Mechanismen kontrolliert werden. Denn alle Gehirnteile sind miteinander vernetzt. Durch vernünftiges Nachdenken (Großhirnleistung) können wir unsere Gefühle (im limbischen System) in ihrer Art und Intensität verändern. Das heißt, durch eine Analyse und Bewertung der Prüfungssituation als ungefährlich, (im präfrontalen Kortex) , kann das emotionsaktivierende Programm der Amygdala gedämpft werden.

Eine weitere wichtige Möglichkeit, mit diesen Angstreaktionen umzugehen, ist die der Konfrontation mit der als gefährlich erlebten Situation - wenn es dabei gelingt, positive Erfahrungen zu vermitteln, das Vertrauen in sich zu stärken. Das kann zum Beispiel in gut vorbereiteten Prüfungssimulationen geschehen.

Machen Sie sich klar, dass es nicht das Ende überhaupt ist, wenn der Anfang der Prüfung nicht so super läuft und wenn in der Prüfung etwas Unerwartetes geschieht. Und versuchen Sie, sich wieder auf die Fragen des Prüfers, auf den Stoff, zu konzentrieren. Sie übernehmen wieder die Initiative. Wenn Sie merken, dass Sie aus diesem Angstzustand nicht mehr herauskommen, sollten Sie den Prüfer über ihren Zustand informieren. Denn häufig führt eine starke Angstreaktion dazu, dass der Prüfling verstummt und der Prüfer schwer beurteilen kann, ob der Kandidat einfach nichts weiß.

Das gleiche gilt für Klausuren: auch da sollte man Keine Selbstgespräche darüber führen, wie gut oder schlecht man ist, ob man es schaffen wird oder sich über schwierige Aufgaben ärgern. Hier ist es genauso wichtig, sich als Person nicht in Frage zu stellen, wenn es mit der den Klausuraufgaben nicht glatt läuft. Das hat mit Ihrer Person nichts zu tun. Sie haben nur vielleicht das Wissen nicht parat. Versuchen Sie sich zu beruhigen und wieder auf die Aufgabenbearbeitung zu konzentrieren, siehe oben, Sie sollten sich nicht festbeißen, sondern Punkte sammeln.

Wie verhalte ich mich in der mündlichen Prüfung?

Wir hören oft: „Ich sage nur das Nötigste, und nur, wenn ich mir ganz sicher bin. Damit ich nicht aus Versehen etwas Falsches sage oder ein Thema anspreche, in dem ich mich nicht so auskenne.“ Oder: „Ich warte passiv ab, niemals würde ich laut denken oder gar von mir aus ungefragt Zusammenhänge darstellen. Könnte doch alles falsch sein.“ Das ist wie eine Art Totstellreflex. Nicht selten wird das zu einem zähen, anstrengenden und unproduktiven Frage-Antwortspiel.

Muss aber nicht sein. Besser ist es nämlich, wenn Sie etwas wissen, das auch zu zeigen, Zusammenhänge zu erklären, Beispiele zu geben und unter Umständen laut zu denken. Aktiv. Also genau das Gegenteil zum Totstellreflex! Nicht zuletzt deswegen, um dem Prüfer die Möglichkeit zu geben, Ihren Gedankengängen zu folgen und Sie zu unterstützen, wenn es mal hakt. Der tut das, Sie werden es erleben, denn eine flüssige Prüfung ist für ihn auch angenehmer.

Zeit zum Nachdenken

Häufig äußern Studierende: „Ich muss auf eine Frage sofort antworten, das wird von mir erwartet. Zum Nachdenken habe ich da keine Zeit.“ Nach Prüfungssimulationen in unserer Beratungsstelle ist oft zu hören, dass Studierende einschätzen, sie hätten viel zu lange nachgedacht, sie hätten bestimmt 10 Minuten geschwiegen. Bei einer nachträglichen Analyse unserer Videoaufzeichnungen zeigt sich: es waren nicht mal 10 Sekunden.

Gerade wenn nicht nur Definitionen abgefragt werden, wenn z. B. ein Ansatz gesucht wird, ist ein gewisser Abstand zum Gegenstand notwendig. Und das braucht Zeit. Darf Zeit kosten. Sagen Sie, dass Sie kurz nachdenken.

1. Überprüfen Sie Ihre Ansprüche

Klar, dass eine gute Vorbereitung die beste Versicherung für den Prüfungserfolg ist.
Der Wunsch, sich in der Prüfungssituation sicher zu fühlen und erfolgreich zu sein, führt aber oft zum Anspruch, den Stoff hundertprozentig zu lernen und zu beherrschen. Ein hoher Anspruch! Er zieht ambitionierte Pläne nach sich! „Morgens ganz früh aufstehen - durcharbeiten, 8, 9 Stunden - Kontakte zu anderen einstellen - keine Freizeitaktivitäten mehr zulassen“. Diese Pläne scheitern immer. Sie führen zu Misserfolgserleben und nicht selten zum Verschieben der Prüfung.
Erfolgversprechend ist es, genau zu erfragen, was für die Prüfung gefordert wird und dann realistische, immer wieder überprüfte Pläne zu machen. Und dabei auf keinen Fall die Freizeit zu vergessen. Wir sind keine Lernmaschinen. Pausen beim Lernen, das ist nachgewiesenermaßen wichtig zur Verarbeitung des Lernstoffes.

2. Lernen Sie den Stoff auf unterschiedliche Art und Weise

Wir lernen Dinge besser, die wir mit gespeichertem Wissen assoziieren, die hervorstechen, die möglichst viele der fünf Sinne ansprechen, die eine Bedeutung für uns haben und die die Fähigkeiten beider Gehirnhälften nutzen. Vielfach werden zum Lernen nur Notizen gemacht (linear und einfarbig), da kann es passieren, dass das Gehirn abschaltet, weil es keine Schlüsselworte, Farben oder Assoziationen findet. Es lohnt sich, sich mit Gedächtnistechniken zu beschäftigen und vor allem: sie auszuprobieren.

3. Üben Sie laut!

Viele Studierende, die sich auf eine mündliche Prüfung vorbereiten, üben den Lernstoff allein schriftlich, wie vor einer Klausur. In der mündlichen Prüfungssituation fällt es ihnen dann aber oft schwer, die Antwort auf eine Frage in Worte zu fassen. Dabei lässt sich das so gut üben. Auch wenn es albern klingt, es lohnt sich, beim Üben laut und deutlich zu reden. Das wir Ihnen helfen, sich in der Prüfung mehr auf den Inhalt konzentrieren zu können und die Energie nicht darauf zu verwenden, nach Worten zu suchen.

4. Simulieren Sie die Prüfung!

Die Prüfungssimulation ist ein sehr wichtiges Element der Prüfungsvorbereitung. Je realitätsnaher sie gestaltet ist, desto wirksamer ist sie. Werden Sie nicht nervös, wenn etwas nicht so klappt. Geben Sie sich die Gelegenheit, noch etwas zu üben und positive Erfahrungen mit der Prüfungssituation zu machen. Und in der Gruppe kann das auch noch Spaß machen.

5. Die Arbeitsgruppe ist wichtig!

Um sich auf Prüfungen vorzubereiten, spielt die Arbeitsgruppe und die Betreuung durch die Lehrenden eine ganz wichtige Rolle: Ein Beispiel aus der Forschung: Bei einer Studie des Dana Center for Mathematics and Science Education von U. Treisman zum signifikant besseren Abschneiden chinesischer Studierender im Vergleich zu Schwarzen und Hispanics fand man heraus, dass sich die chinesischen Studierenden neben der Einzelarbeit regelmäßig getroffen und ausgetauscht hatten.

Als Konsequenz daraus entwickelte man ein Projekt, bei dem Gruppenarbeit genauso gefördert wurde wie die Entwicklung eines Gemeinschaftslebens, mit dem Fokus auf dem gemeinsamen Interesse an der Mathematik. Das Ergebnis war beeindruckend! Die schwarzen Teilnehmer zogen nicht nur mit ihren weißen und chinesischen Kommilitonen gleich, sondern überflügelten sie noch in ihren Leistungen!

Der Austausch mit Kommilitonen, Tutoren, Dozenten, die Bearbeitung von Probeklausuren, die Durchführung von Prüfungssimulationen, all das sind effektive Strategien in der Prüfungsvorbereitung. Die Gruppe ist nicht nur wichtig, um fachliche Fragen zu besprechen. Kritik, Bestätigung, Anerkennung und Solidarität sind wichtige soziale Verstärker und sehr viel förderlicher für den Lernerfolg als Isolation und Konkurrenzdenken.

Viel Erfolg!

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