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TU Berlin

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Christina

36 Jahre alt
Bachelor Biotechnologie
drittes Semester
zwei Kinder

Warum ich studieren wollte:

Ich habe nach meiner Ausbildung zur Köchin sechs Jahre lang in meinem Beruf gearbeitet. Um mich beruflich weiterzuentwickeln, habe ich eine Aufstiegsfortbildung zur staatlich geprüften Lebensmitteltechnikerin absolviert und bin im Anschluss daran jeden Tag von Berlin nach Lübben gependelt. Als ich schwanger wurde, habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, in Berlin zu bleiben und bin im Internet darauf gestoßen, dass ich nach §11 des Berliner Hochschulgesetzes studieren kann. Für die TU habe ich mich entschieden, weil ich hier, im Gegensatz zur Fachhochschule, eine eher forschungsorientierte Ausbildung erhalte und ich den Eindruck habe, dass es in der Forschung mehr Teilzeitstellen gibt, als in der freien Wirtschaft. Das ist mir wichtig, da ich zwei Kinder habe und alleinerziehend bin. Dies ist auch der Grund dafür, dass ich trotz meines Alters (36) BAföG erhalte. Sonst könnte ich mir ein Studium überhaupt nicht leisten, da ich wegen der Kinder auch nicht nebenbei arbeiten kann. Ein Teilzeitstudium kam für mich auch nicht in Frage, da ich nicht Ende 40 sein möchte, wenn ich mein Studium beende.

Meine Vorbereitung auf das Studium:

Zur Vorbereitung hab ich den Online-Mathe-Brückenkurs absolviert. Den fand ich ganz gut – es gefällt mir, dass man sich dort an einen Tutor wenden kann, wenn man selbst nicht weiter kommt. Zu Präsenzveranstaltungen konnte ich wegen meiner Kinder nicht gehen und so einen Onlinekurs kann man auch mal in der U-Bahn oder abends Zuhause machen.                
Ich merke, dass ich auch in Englisch eine Vorbereitung hätte gebrauchen können. Das hole ich jetzt im freien Wahlbereich nach, das geht ja auch. Auch ein Schreibkurs und ein Kurs zu Lerntechniken wären sinnvoll gewesen. Im Laufe der Jahre vergisst man schon, wie man richtig lernt, und wissenschaftliche Texte verfassen musste ich vorher einfach nie.

Der Einstieg ins Studium:

Der Übergang von der Elternzeit ins Studium fiel mir nicht schwer. Die Kinder wurden früh genug in die Kita eingewöhnt, sodass ich den Kopf frei hatte. Ich war dann sehr motiviert und hatte am Anfang auch sehr viel Spaß, etwas für mein Gehirn zu machen, obwohl es auch oft anstrengend war.         
Ich hatte anfangs nicht damit gerechnet, wie schwer die Prüfungen werden würden. Da ich mich viel um meine Kinder kümmern muss, hab ich manchmal Schwierigkeiten, alles zu schaffen. Durch Lineare Algebra bin ich durchgefallen und Analysis I konnte ich nicht schreiben, weil meine Kinder in der Prüfungszeit krank geworden sind.

„Studieren mit beruflicher Qualifikation“ – Bin ich jetzt etwas Besonderes?

Es spielt für mich in meinem Studienalltag keine Rolle, wie ich den Zugang zur Uni gefunden habe. Der Unterschied zwischen mir und den jüngeren Kommilitonen ist vielleicht, dass ich etwas härter arbeiten muss. Dafür weiß ich aber auch genau, was ich will und hab eine konkrete Vorstellung vom späteren Berufsleben. Außerdem kann ich meine Zeit effektiver nutzen und habe mich auch in den Praktika nicht verloren gefühlt.

Momentan (im dritten Semester) kann ich meine Praxiserfahrung noch nicht ins Studium einbringen. Mathe, was in den ersten Semestern nun einmal am wichtigsten ist, hat mit der Praxis einfach wenig zu tun. In Bio und Chemie werde ich dann vermutlich Vorteile durch meinen Beruf haben.

Wie ich mein Studium angehe:

Ich finde es wichtig, dass man sich mit seinen Kommilitonen austauscht, weil das das Lernen immens erleichtert und man auch mal Hilfe braucht, wenn man eine Vorlesung verpasst hat. Zur Vorbereitung auf die Prüfung sollte man Lerngruppen bilden, ich lerne zusammen mit zwei Kommilitoninnen, mehr Leute wären nicht hilfreich.        
Mein Kriterium für ein erfolgreiches Studium sind gute Noten. Ich will mindestens eine 2 haben und das Studium in Regelstudienzeit abschließen. Den Master möchte ich auch noch gern machen. Das mit der Regelstudienzeit schaffe ich wohl nicht mehr, wegen Mathe und meiner Kinder. Ich verlängere aber auch lieber mein Studium ein bisschen und habe dafür dann einen besseren Abschluss. In meinem Alter habe ich mit einem schlechten Bachelor auf dem Arbeitsmarkt doch keine Chancen.
Studieren ohne Abitur ist eben ein bisschen schwieriger und ein bisschen zeitaufwendiger. Man hat schon genug Unterstützungsmöglichkeiten, die man in Anspruch nehmen kann, wenn man sich bemüht. Man muss halt Eigeninitiative ergreifen. Das finde ich auch richtig. Wenn man alles hinterhergetragen bekommen würde, würde man unfähige Persönlichkeiten auf die Wirtschaft loslassen, weil sie dann eben nicht selbstständig und effektiv arbeiten können.

Mein Rat an Studieninteressierte ohne Abitur:

Anderen beruflich Qualifizierten, die studieren wollen, würde ich raten, dass sie auf ihr Alter achten und einen Studiengang wählen sollten, der zukunftsorientiert ist, mit dem man an dem Ort, wo man leben möchte, später auch einen Job findet. Außerdem ist zu bedenken, dass viel Vorbereitung nötig ist. Ich hätte dafür gern mehr Zeit gehabt. Wenn man einige Jahre aus der Schule raus ist, hat man große Schwierigkeiten, den Anschluss zu finden – gerade ohne Abitur, weil man bestimmte Sachen gar nicht gehabt hat und weil man einfach aus dem Lernen raus ist, da hängt man ganz schön nach. Vor allem Mathe ist sehr schwierig, das muss man sich vorher bewusst machen. Man muss sich dann im Studium auch trauen nachzufragen, wenn man etwas nicht versteht.

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