direkt zum Inhalt springen

direkt zum Hauptnavigationsmenü

Sie sind hier

TU Berlin

Inhalt des Dokuments

Markus

29 Jahre alt
Chemielaborant
studiert Chemie im letzten Master-Semester

Mein Weg zum Studium:

Ich habe 2008 angefangen zu studieren, um beruflich aufsteigen zu können. Ich fühlte mich im Job unterfordert und wollte gern den gleichen Wissensstand erreichen, wie meine Chefs. Von den Noten her hätte ich nach der zehnten Klasse auf dem Gymnasium bleiben und das Abitur machen können. Allerdings haben meine Eltern, die auch kein Abi haben, gemeint, es sei besser, etwas „Handfestes“ zu lernen. Auch meine Brüder haben zunächst nicht die Allgemeine Hochschulreife erworben. Später haben die aber auch alle studiert.

Ursprünglich wollte ich, um mich weiterzubilden, ein Fernstudium zum Techniker machen, das wurde zu dem Zeitpunkt aber gerade abgeschafft. Ich habe dann nur durch Zufall erfahren, dass ich auch ohne Abi studieren kann, weil ein Kollege etwas darüber in der Zeitung gelesen hat. Ich habe mich mit Leuten unterhalten, die an der TU Berlin Chemie studiert haben und eigentlich war ich mir die ganze Zeit nicht sicher, ob ich wirklich studieren sollte. Ich habe mich einfach mal beworben und erst zwei Wochen vor Semesterbeginn die Zusage erhalten. Da musste ich mich dann schnell entscheiden.

Im Nachhinein würde ich sagen, dass jeder vor der Bewerbung zur Allgemeinen Studienberatung der Uni gehen sollte, um nicht blauäugig ins Studium zu starten. Hätte ich damals schon gewusst, dass ich auch an der Beuth-Hochschule hätte studieren können, hätte ich mich vielleicht dafür entschieden. Da wäre der Einstieg vielleicht leichter gewesen, als an der TU. Die Anfangszeit hier war wirklich sehr hart. Letztendlich bereue ich es aber nicht, hier studiert zu haben.

Meine Vorbereitung auf das Studium:

Da ich direkt bis zum Studienbeginn gearbeitet und auch erst sehr spät die Zusage erhalten habe, konnte ich nicht an einem Vorbereitungskurs teilnehmen. Ich habe mich zwei Wochen lang so gut es ging vorbereitet. Dabei hat mir mein Bruder geholfen, der gerade sein Fachabi gemacht hatte. Die Vorbereitung war aber sehr schwierig, weil ich ja nebenbei auch noch gearbeitet habe. Hätte ich mehr Zeit gehabt, hätte ich den Mathe-Brückenkurs besucht, das halte ich schon für empfehlenswert.

Der Einstieg ins Studium:

Das schwierigste beim Studieneinstieg war für mich, dass mir die Mathe-Grundlagen gefehlt haben, die in Physik einfach vorausgesetzt wurden. Man muss schon Interesse an Mathe haben, wenn man ohne Abi an der TU studieren will, da man sich da sehr einarbeiten muss.

Am Anfang habe ich richtig viel gelernt, auch zusammen mit Kommilitonen. Mir war es wichtig, von Anfang an Kontakte zu knüpfen. Uns ging es eigentlich allen gleich, da wir der erste Bachelor-Jahrgang waren. Es gab keine richtige Einführungsveranstaltung und wir hatten alle denselben Nachteil: Niemand wusste, wie was läuft.

Anfangs fiel mir die Prüfungsvorbereitung schwer. Früher musste ich immer einfach nur kurz in den Hefter gucken, im ersten Semester hatte ich echt Probleme, mich zu konzentrieren. Das hat sich aber irgendwann eingespielt. Ich denke, das Thema Zeitmanagement betrifft alle Studierenden gleich. Für Abiturienten ist es vielleicht sogar wichtiger, da sie noch nicht in einem Beruf die Zeit selbst einteilen mussten.

 „Studieren mit beruflicher Qualifikation“ – Bin ich jetzt was Besonderes?

Ein Unterschied zwischen mir und Studierenden, die direkt vom Abi kommen, besteht vielleicht darin, dass ich erst wieder lernen musste zu lernen. Ich habe in meinem Leben noch nie wirklich lernen müssen. Außerdem hatten meine Kommilitonen in Mathe und Physik einen großen Vorsprung. In Chemie hatte ich durch meine Ausbildung keine Probleme, war aber auch nicht unbedingt besser als die anderen. Ich konnte da auch fachlich nicht so viel einbringen, weil das Niveau hier an der Uni einfach viel höher ist als in der Ausbildung.

Ich würde sagen, dass sich nach zwei Semestern die Unterschiede komplett ausgeglichen hatten, in Mathe sogar schon im zweiten Semester, weil ich im ersten Semester viel investiert habe. Mein Vorteil war, dass ich mir die Praktika anrechnen lassen konnte und dadurch Zeit gespart habe. Ich war auch motivierter als die anderen, weil ich ja extra fürs Studium meinen unbefristeten Job gekündigt hatte.

Dass ich nach §11 studiere, war und ist für mich kein Thema, da in meinem Jahrgang alle zusammenhalten. Die Professoren wussten das auch gar nicht. Ich kenne keine anderen Studierenden ohne Abi. Ein Austausch mit anderen §11ern, die etwas Ähnliches studieren, wäre anfangs bestimmt hilfreich gewesen, um sich fachlich auszutauschen (vor allem für Mathe) und Erfahrungen zu teilen, wie man es schafft, den Stoff nachzuholen und wo man sich Unterstützung holen kann. Ich habe es aber auch allein geschafft. Man muss eben mit einer sehr hohen Motivation rangehen. Sonst geht man schnell unter.

Wie ich mein Studium angehe und es finanziere:

Ich habe während des ganzen Studiums aus finanziellen Gründen weiterhin bei meinem alten Arbeitgeber gearbeitet, das konnte ich gut mit meinem Studium vereinbaren. Ich habe auch nie mehr als 10 Stunden die Woche gearbeitet. Außerdem hatte ich mir vor dem Studium etwas angespart und mir ausgerechnet, dass es zumindest für den Bachelor reicht. Zum Ende hin habe ich dann etwas mehr gearbeitet. Meine Masterarbeit habe ich bei einer Firma geschrieben und dafür ein Stipendium erhalten.

Auf meinem Weg hat irgendwie immer alles geklappt. Seit dem zweiten Semester bin ich gut durch mein Studium durchgekommen. Anfangs wollte ich einfach nur bestehen und den Bachelor schaffen. Später hatte ich dann das Ziel, den Master zwischen 1 und 2 abzuschließen. Und jetzt warte ich nur noch auf meine Master-Note und werde im Anschluss bei der Firma, in der ich die Masterarbeit geschrieben habe, promovieren.

Mein Rat an Studieninteressierte ohne Abi:

Man muss es zu 100 % wollen und wissen, dass das Studium sehr zeitintensiv ist und man viel investieren muss. Ich denke, im Vergleich zur Fachhochschule wird man an der Uni weniger begleitet, da das Chemie-Studium hier weniger verschult ist. Außerdem sollte man sich vor dem Studium, wenn möglich, gut vorbereiten. Wenn man Chemie studieren will, sollte man wissen, dass Mathe und Physik einen großen Teil des Studiums ausmachen.

Zusatzinformationen / Extras

Direktzugang

Schnellnavigation zur Seite über Nummerneingabe

Diese Seite verwendet Piwik für anonymisierte Webanalysen. Mehr Informationen und Opt-Out-Möglichkeiten unter Datenschutz.